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Gemeinsam gegen ausbeuterische Kinderarbeit

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Abschlussveranstaltung MAGNA CHARTA RUHR.2010:
Städte, Gemeinden und Landkreise der Kulturhauptstadt
gemeinsam gegen ausbeuterische Kinderarbeit

Im Europäischen Kulturhauptstadtjahr 2010 präsentierte sich das Ruhrgebiet als Modellregion für Europa. Mit der Unterschrift unter die MAGNA CHARTA RUHR.2010 haben sich alle beteiligten Kommunen und Landkreise der Kulturhauptstadt verpflichtet, künftig in ihrer Beschaffung auf Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit zu verzichten. Die Städte und Gemeinden des Ruhrgebiets mit ihren über fünf Millionen Einwohnern haben damit ein deutliches Zeichen für die globale Verantwortung von Kommunen in Europa gesetzt.

Vertreterinnen und Vertreter von Weltläden, Agenda-Büros, Eine-Welt-Zentren und kirchlichen Einrichtungen hatten sich bereits 2008 auf der Messe FA!R2008 zum Netzwerk "Faire Kulturhauptstadt Ruhr.2010" zusammen geschlossen. Ziel war es, das Ruhrgebiet mittelfristig zu einer ?fairen? Metropole zu machen, die in der öffentlichen Beschaffung Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit vermeidet und verstärkt Produkte aus fairem Handel verwendet. Das Netzwerk sieht den historisch einmaligen Zusammenschluss von 54 Städten und Gemeinden als Chance, die globale Verantwortung von Kommunen zu verdeutlichen und zugleich die Metropole Ruhr erneut als Modellregion für Europa zu etablieren.

Die Stadtoberhäupter von knapp 40 Städten und Gemeinden hatten in einer feierlichen Zeremonie am 12. Juni 2010 im Dortmunder Rathaus die "Magna Charta gegen ausbeuterische Kinderarbeit" unterzeichnet. In den folgenden Wochen und Monaten war es dem Netzwerk gelungen, auch in den verbliebenen 13 Städten und Gemeinden die notwendigen politischen Beschlüsse gegen ausbeuterische Kinderarbeit einzuwerben und damit jeweils die Unterzeichnung der Magna Charta zu ermöglichen. Somit wurde bereits ein Jahr nach der Veranstaltung im Dortmunder Rathaus das Ziel erreicht, in allen Städten und Gemeinden einen Beschluss gegen ausbeuterische Kinderarbeit zu erwirken. Hinzu kommen die vier Landkreise des Ruhrgebietes, die sich ebenfalls beteiligen. Von den derzeit knapp über 200 Ratsbeschlüssen gegen ausbeuterische Kinderarbeit (Quelle: earthlink, http://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/deutschland/deutschlandkarte) kommt also jeder vierte aus dem Ruhrgebiet.

Von besonderer Bedeutung sind diese Beschlüsse, weil die deutschen Kommunen im Jahr Aufträge im Wert von über 200 Milliarden Euro vergeben. Städte und Gemeinden haben als öffentliche Auftraggeber eine soziale Verpflichtung und sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Durch ihre Beschlüsse haben die Städte und Gemeinden der Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr.2010 einen Beitrag zur Einhaltung der Menschenrechte weltweit geleistet. Im und um das Ruhrgebiet haben die Verantwortlichen in vielen Städten bereits Schritte gegen ausbeuterische Kinderarbeit unternommen. Sie trinken fairen Kaffee und Tee, verschenken Blumen aus Fairem Handel zu städtischen Jubiläen und kaufen zum Beispiel faire Fußbälle für Schulen und Vereine. Sie fordern Nachweise über die Einhaltung von Sozialstandards bei der Produktherstellung. Beispielhaft seien hier die Städte Castrop-Rauxel, Dinslaken und Dortmund genannt, die sich in besonderer Weise um eine faire Beschaffung verdient gemacht haben. Alle drei Ruhrgebietsstädte sind Unterzeichner der Magna Charta und bereits als Fairtrade-Town ausgezeichnet. Mit der Initiative sollen die Erfahrungen und Bemühungen dieser Städte gestärkt, gebündelt und erfahrbar gemacht und so zum festen Bestandteil der öffentlichen Beschaffung im Ruhrgebiet werden.

Mit dem offiziellen Ende des "Netzwerkes Faire Kulturhauptstadt Ruhr.2010" sind die Arbeiten nicht abgeschlossen. Das Netzwerk nennt sich nun "Faire Metropole Ruhr" und hat sich als nächstes zum Ziel gesetzt, alle Gemeinden, Städte und Kreise des Ruhrgebiets bis Ende 2012 auf den Weg zu bringen, Fairtrade-Städte, -Gemeinden und -Kreise zu werden und damit Teil einer internationalen Bewegung von Kommunen für globale Gerechtigkeit.

Die Kampagne Fairtrade-Towns wird von TransFair e.V. in Köln getragen und bringt unterschiedliche Akteure aus Handel, Politik und Zivilgesellschaft zusammen. Über 1.000 Fairtrade-Towns gibt es mittlerweile weltweit, darunter zum Beispiel London, Brüssel, Rom, San Francisco und Kopenhagen. Als tausendste Fairtrade-Town wurde vor kurzem Herne ausgezeichnet. In 20 Ländern weltweit bewerben sich Städte um den Status ?Fairtrade-Town?. Neben England mit über 500 Fairtrade-Towns ist vor allem Belgien mit 100 Fairtrade-Towns und 200 Städten im Bewerbungsprozess sehr erfolgreich. Folgende Länder beteiligen sich ebenfalls an der Kampagne: Italien, Österreich, Niederlande, Frankreich, Spanien, Irland, Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark, USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Deutschland ist seit 2009 dabei und liegt mit seinen über 40 Fairtrade-Towns im Vorderfeld der teilnehmenden Länder.

Weltweit wird das Siegel nach denselben fünf Kriterien vergeben:

·         Es gibt einen Beschluss der Kommune/des Kreistages, bei allen Sitzungen der politischen Gremien sowie im Bürgermeister- bzw. Landratsbüro Fair Trade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel zu verwenden. Es wird die Entscheidung getroffen, als Stadt/Gemeinde/Landkreis den Titel ?Fairtrade-Stadt? (bzw. Gemeinde/Landkreis) anzustreben.

·         Es wird eine lokale Steuerungsgruppe gebildet, die auf dem Weg zur ?Fairtrade-Stadt? (bzw. Gemeinde/Landkreis) die Aktivitäten vor Ort koordiniert.

·         In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants werden Fair Trade-Produkte ausgeschenkt.

·         In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fair Trade-Produkte verwendet und es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema ?Fairer Handel? durchgeführt.

·         Die örtlichen Medien berichten über alle Aktivitäten auf dem Weg zur ?Fairtrade-Stadt? (bzw. Gemeinde/Landkreis).

 

 

 

Aktionswoche gegen ausbeuterische Kinderarbeit im Landtag NRW

Die Vizepräsidentin des Landtags NRW Carina Gödecke (Bochum) und der
Minister für Arbeit, Intergration und Soziales des Landes NRW Guntram
Schneider eröffneten am 18. Oktober eine Aktionswoche gegen die
schlimmsten Formen ausbeuterischer Kinderarbeit im Landtag von
Nordrhein-Westfalen. Gödecke machte auf das Leid von Millionen von
ausgebeuteten Kindern in aller Welt aufmerksam. Arbeitsminister
Schneider forderte dazu auf kritisch zu konsumieren und z.B. fair
gehandelte Produkte zu kaufen, die ausbeuterische Kinderarbeit
ausschließen."Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, alles zu
tun, um ausbeuterische Kinderarbeit überall auf der Welt zurück zu
drängen"
Das Netzwerk Faire Metropole Ruhr ist an der Aktionswoche beteiligt.
Gemeinsam mit dem Hilfswerks Misereor wird eine Ausstellung zum Thema
der Woche präsentiert und die Mitglieder und Besucher des Landtags über
die Arbeit des Netzwerks informiert. Zu diesem gehörte auch EKD-Präses
Nikolaus Schneider.